oben
|
Diagnose Krebs - Chemotherapie
Zervixkarzinom
Die Chemotherapie hat bei der Behandlung
des Zervixkarzinoms lange Zeit eine untergeordnete Rolle gespielt. Mittlerweile ist in
Studien an einer Reihe von Zytostatika geforscht worden. Dabei sind sowohl einzelne
Zytostatika als auch Kombinationen gestestet worden. Hier kann man nur raten, sich an
einen kompetenten Onkologen zu wenden, wenn die Frage der Chemotherapie steht und sich
über Studien zu informieren, die die neusten Medikamente einschließen.
Es wäre zu umständlich und zu wissenschaftlich, im
Einzelnen die verschiedenen Möglichkeiten aufzuzählen. Die Chemotherapie nimmt aber mehr
und mehr eine aktive Rolle ein, wenn es darum geht, primär fortgeschrittene
Zervixkarzinome zu behandeln, eine bessere lokale Tumorkontrolle zusammen mit
Strahlentherapie oder die Eindämmung der Rezidivraten zu erreichen.
Literatur:
H.G. Meerpohl
Zervixkarzinom
In: Schmoll/Höffken/Possinger
(Hrsg.) Kompendium Internistische Onkologie Springer Verlag Heidelberg, 3. Auflage 1999,
pp: 1575-1620
Diagnose Krebs - Chemotherapie
Vaginalkarzinom
Aufgrund der engen topografischen Beziehung der Vagina zu Blase, Rektum und
Urethra führt dies häufig zu einer frühzeitigen Infiltration in die
Nachbarorgane, eine Ausbreitung auf die knöchernen Beckenstrukturen.
Grundsätzlich kann sowohl die Operation als auch die Radio- bzw.
Radiochemotherapie zur Primärbehandlung des Vaginalkarzinoms eingesetzt
werden. Beide Therapieverfahren weisen allerdings eine erhebliche
Nebenwirkungsrate auf. Gerade im Vaginalbereich ist eine prätherapeutische
Einschätzung der Ausdehnung der Geschwulst schwierig. Deswegen ist gerade
bei diesem Karzinom eine interdisziplinäre Entscheidung der
Behandlungsoptionen wichtig.
| Auf der Basis der
vorliegenden Erfahrungen können keine Empfehlungen gegeben werden. Eine Chemotherapie
kann erwogen werden: |
| - |
bei Patientinnen mit Plattenepithel- oder
Adenokarzinom im Rahmen der Primärtherapie bei lokal fortgeschrittener Erkrankung (Stad.
II-IV) und schlechten Therapiechancen für eine konventionelle Radiotherapie |
| - |
mit metastasierter Erkrankung nach
radiotherapeutischer Vorbehandlung |
| - |
bei jungen Mädchen mit einem Rhabdomyosarkom,
Sarcoma botryoides oder endodermalem Sinustumor i.d.R. vor einer operativen Behandlung |
|
|
| Simultane
Strahlen-/Chemotherapie: |
|
Pat. mit Stad. II-IVA (FIGO) und Risiko für
lokoregionäres Rezidiv |
|
auf Basis der Erfahrungen beim Zervixkarzinom |
|
Cisplatin ist Zytostatikum der Wahl |
|
Stad. I |
|
|
|
|
Diagnose Krebs - Chemotherapie
Vulvakarzinom
Die Erfahrungen mit Chemotherapie sind begrenzt. Die wirksamsten Substanzen sind
5-Fluorouracil, Cisplatin und mit Einschränkungen Bleomycin und Mitomycin.
Die Wirksamkeit der Taxane und von Gemcitabin ist noch nicht ausreichend geprüft.
Bei Pat. mit lokal fortgeschrittenem Vulvakarzinom kann bei inoperablen
Tumoren eine definitive Radiochemotherapie durchgeführt werden. Die
Chemotherapie sollte auf 5FU basieren. In vielen Studien wird 5FU mit
Mytomycin-C oder Cisplatin verwendet. Die Strahlendosen sollten 60-65 Gy
betragen. Ob hyperfraktionierte und/ oder akzelerierte Bestrahlungsschemata
einer konventionell fraktionierten Strahlentherapie überlegen sind, ist
bisher nicht geklärt.
Bei einer präoperativen Radiochemotherapie sollten Dosen von 50-55 Gy
verwendet werden. Klinisch komplette Remissionsraten nach Radiochemotherapie
wurden in 46-72% beschrieben, Ansprechraten von 81-100% (www.onkologie-heute-info,
5/2008).
Primäre Radio-/Chemotherapie
| VIN III |
5% 5-FU-Creme
Remissionsraten 50-60%
Sofort nach histol. Diagnosestellung
Dauer: nach klinischem Verlauf |
| - |
|
| Stad. III-IV |
Kombination mit
Strahlenth. Remissionsraten 53-89%
5FU/ Cisplatin
Dauer: simultan mit der Strahlentherapie je nach Protokoll
bis zum Ende der eingestrahlten Dosis (5-6 Wochen) |
|
Palliative Chemotherapie
Es gibt noch keine Standardtherapie.
Empfohlen wird 5FU, Cisplatin und evtl. Taxane oder Gemcitabin. |
Diagnose
Krebs - Chemotherapie
Eierstockkrebs
Adjuvante Chemotherapie
Die primäre Radikaloperation mit dem Ziel der optimalen Zytoreduktion gefolgt von einer Kombinationschemotherapie ist der
Standard in der Behandlung des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms.
Eine neoadjuvante (primäre)
Chemotherapie im Stadium III/ IV sollte immer im Rahmen von Studien erfolgen. Diese
Therapie bietet sich an bei Metastasierung im Bauchfellraum und Aszites. Dadurch wird die
Tumoraussaat gebremst, die Wasserbildung im Bauchraum gemildert bzw. gestoppt, und man
schafft damit gute Bedingungen für die anschließende Operation.
Postoperativ adjuvant ist die Chemotherapie mit Carboplatin/ Paclitaxel Standard.
Erleiden die Pat. innerhalb der ersten 6 Monate nach Chemotherapie ein
Rezidiv, handelt es sich in aller Regel um platinresistente Tumoren. Als
effective Second-line-Therapie gelten Monotherapien, die keine
Kreuzresistenzen zur Primärtherapie aufweisen. Gemäß der aktuellen
S2-Leitlinie gilt für Pat. nach einer Chemotherapie mit Paclitaxel und
Carboplatin und Progression bzw. Rezidiv innerhalb von 6 Monaten die Gabe
von Topotecan oder pegyliertem Doxorubicin als Therapie der Wahl (AGO 2007).
Die Hinzunahme von Epirubicin oder
Topotecan als dritte Substanz verbessert die Heilungsraten
nicht.
Umstritten ist der Nutzen der als Standard geltenden platinhaltigen adjuvanten
Chemotherapie nach radikaler Operation bei Stadium FIGO I.
Ein therapeutisches Dilemma beim Ovarialkarzinom stellt Aszites dar. Die
Ergebnisse zur intraperitonealen Applikation eines trifunktionalen
bispezifischen Antikörpers Catumaxomab sind vielversprechend. Die aktuell
interessantesten neuen Strategien umfassen immuntherapeutische Ansätze, die
Agiogenesehemmung z.B. mit Bevacizumab, Inhibitoren von EGFR, PDGFR und
anderen intrazellulären Signalwegen sowie die Hemmung von PARP.
Stadienadaptierte Chemotherapie des Ovarialkarzinoms
Tumorstadium
|
Empfehlung
|
Ia/ Ib G1
|
Keine adjuvante Therapie
|
Ia/ Ib
G>1
|
Carboplatin (AUC 5) |
Ic/ IIa/b, Gx
|
Tag 1, q 21, 4-6 Zyklen
Carboplatin/ Paclitaxel in Studien
|
IIc-IV
|
Carboplatin (AUC 5) plus Paclitaxel
175 mg/ m², 3h-Infusion Tag 1, q 21,
6 Zyklen |
IIIc-IV mit eingeschränktem Allgemeinzust.
|
Carboplatin /AUC 5) Tag 1, q 21, 6 Zyklen
|
q = Wiederholung Tag |
|
Molekulare Therapie
Der Effekt einer molekularen Therapie z.B. mit Antikörpern oder Inhibitoren, der
intrazellulären Signalkaskade, die für die Vermehrung der Tumorzellen verantwortlich
ist, ist beim Ovarialkarzinom bisher nicht bewiesen.
Neoadjuvante Chemotherapie
Nur für Patientinnen, bei denen eine allgemeine
Kontraindikation gegen eine Vollnarkose besteht oder die nach Aufklärung keinen
chirurgischen Eingriff wünschen.
Kurative Chemotherapie
Für Patientinnen mit postoperativ verbliebenem größeren
Einzeltumor mit <2cm (lt. Operationsbericht).
Palliative Chemotherapie
Bei Patientinnen im Stad. III mit großen residuellen Resttumoren (>5cm) sowie bei nachgewiesener viszeraler Metastasierung und/ oder peripherer Lymphknotenmetastasierung.
|
|
Diagnose Krebs -
Chemotherapie
Tubenkarzinom
Als aktive Einzelsubstanzen
werden Alkylanzien, insbesondere Cyclophosphamid, Doxorubicin, Cisplatin und Carboplatin
sowie wahrscheinlich auch Taxane angesehen. Bei Steroid-Rezeptor-positiven Tumoren wird
auch über ein mögliches Ansprechen auf Gestagene berichtet.
Cisplatinkombinationen zählen zu den günstigsten Mitteln, um eine hohe Effektivität zu
erreichen. Auch mit der Anwendung von Cisplatin/Carboplatin und Paclitaxel konnte eine
Effektivität nachgewiesen werden.
Ob eine adjuvante Chemotherapie bei lokoregionär begrenzter Erkrankung zur Verbesserung
der Heilungsraten beiträgt, ist nicht gesichert.
Bei fortgeschrittener Erkrankung sind platinhaltige Kombinationen in der Primärtherapie
analog zur Behandlung fortgeschrittener Ovarialkarzinome etabliert.
Platin-Taxan-Kombinationen zeigten gute Ansprechraten.
Im Stadium I und II:
Adjuvante Therapie (innerhalb von 10-28 Tagen nach Primärop.)
Stadium IIIa:
Kurative Therapie (innerhalb von 10-28 Tagen nach Primärop.)
Stadium IIIb-IV:
Palliative Therapie (Zeitpunkt des Beginns hängt vom AZ des Patienten ab und
Beschwerdesymptomatik)
nach oben
|
|
Diagnose Krebs - Chemotherapie
Sertoli-Leydig-Zell-Tumor
Wegen des seltenen Auftretens gibt es keine geprüften randomisierten Studien, die das
Vorgehen angeben; jedoch ist berichtet worden vom postoperativen Einsatz platinhaltiger
Regime (CAP) und Kombination Cisplatin/ Vinblastin und Bleomycin (PVB) bei primär
fortgeschrittenen oder metastasierten Stromazelltumoren des Ovars.
Taxan-Platin-Kombinationen zweigen ein günstigeres Toxizitätsprofil.Stadium Ia: keine
Indikation zur adjuvanten Chemotherapie
Stadium
Ic: adjuvante
Chemotherapie
Stadium II-IV:
maximale chirurgische Tumorreduktion und nachfolgende Chemotherapie (PEB x 5) (2-4 Wochen
nach OP)
Die Therapiedauer richtet sich
nach dem Ansprechen und ist auf 5-6 Kurse beschränkt (Toxizität der Kombinationen!).
nach oben
|
|
Diagnose Krebs - Chemotherapie
Maligne Keimzelltumoren
Im frühen Tumorstadium I kann bei Pat. mit vertretbarem Risiko auf eine adjuvante
Chemotherapie verzichtet werden.
nach oben |
|
Die Chemotherapie ist in der adjuvanten Situation
heute die Therapie der Wahl.
Kurative Chemotherapie: Platinhaltige Kombinationstherapien haben die Heilungsraten
drastisch erhöht. Als Alternative zum BEP-Schema wurde auch die PEI-Kombination
erfolgreich eingesetzt, um die potenzielle Gefahr einer Bleomycin-induzierten
Lungenfibrose zu umgehen.
Trotz aggressiver Chemotherapie ist die Fertilität der Frauen nur mäßig
beeinträchtigt.
Stadium
IA: Verzicht auf adj. Chemotherapie (nach sorgfältigem Staging); bei
Tumorgröße >10 cm sollte adj. Threapie erwogen werden.
in
Stadien IB-II in den letzten Jahren mehr und mehr "watch and wait"
möglichst nur in Studien! Adj. Therapie mit Kombinationschemotherapeutika
bei
inkomplettem Staging: Nachoperation oder Therapie mit 3 Zyklen BEP
Stadium
III-IV: Kurative Chemotherapie mit Kombinationschemotherapie
Hochdosischemotherapie: Bei primärer Progression oder Rezidiv innerhalb <6 Wochen
nach Therapieende unter einer platinhaltigen Kombination kann eine Hochdosischemotherapie
erwogen werden.
Die Chemotherapie sollte bald nach Stellung der Indikation, mit Abstand von 3 max.
6 Wochen zu einer abgelaufenen Operation begonnen werden. Die Anzahl der Kurse liegt in
der adj. Situation mit dem BEP-Schema bei 3 Kursen; in Analogie zum Germinom des Mannes
sollte davon ausgegangen werden, dass max. 4 Zyklen ausreichend sind.
|
|
Diagnose Krebs - Chemotherapie
Endometriumkarzinom
Bei
intermediärem oder hohem Risiko besteht die Standardbehandlung in einer
Operation +/- lokoregionärer Strahlentherapie. Der Nutzen einer adjuvanten
Chemotherapie bei Pat. mit Stadium I/ II ist nicht gezeigt worden.
Sowohl mit einer endokrinen Therapie als auch mit Zytostatika können
komplette und partielle Remissionen erreicht werden. Die Remissionsdauer
und Überlebenszeiten sind aber in der Regel kurz und alle verfügbaren
Behandlungsoptionen haben ausschließlich palliativen Charakter.
Vorteile einer Chemo-Hormontherapie sind nicht erkennbar.
Pat. mit fehlendem oder schwach exprimiertem ER/PR-Status sprechen schlecht
auf eine endokrine Therapie und dafür besser auf eine Zytostatikatherapie
an.
Die adjuvante Therapie sollte 4-6 Wochen nach Operation, die palliative
Therapie bei Progression, spätestens bei Symptomatik, begonnen werden.
nach oben
|
|
| zurück |